Schalker Kreisel

Der Mythos von Schalke 04 schöpft seine Kraft aus der proletarischen Tradition eines Klubs, der von Arbeitern groß gemacht wurde. Doch so bodenständig die Spieler jener Mannschaft auch waren, die zwischen 1934 und 1942 sechs Mal Deutscher Meister wurden, sie spielten einen Fußball, der mehr mit Ballkunst zu tun hatte als mit Kampf. Was damals "Schalker Kreisel" genannt wurde, war kein Spielsystem und keine besondere Taktik, sondern es handelte sich um eine Spielweise, um einen hochentwickelten Fußballstil.

Diese Tradition der Eleganz geht auf die Brüder Hans und Fred Ballmann zurück. Die beiden waren vor dem Ersten Weltkieg nach England ausgewandert, hatten den dortigen Fußball kennengelernt und das britische Flachpassspiel mit nach Schalke gebracht.

"In unermüdlichem Training mit dem Ball erreichten alle Spieler eine vollendete Technik. In direktem Flachpassspiel lief der Ball von Mann zu Mann. Es stand nicht immer einer frei, sondern wir huldigten dem Grundsatz, dass, wenn ein Spieler in Ballbesitz war, sich mindestens drei Männer freilaufen müssten, damit der Ballführende auch Gelegenheit zum Abspiel hätte. Nicht der, der in Ballbesitz war, bestimmte das Spiel, sondern die, die freigelaufen waren, zwangen den Ballführenden zum Abspiel", erinnerte sich Hans Bornemann.

Und genau das war die Voraussetzung dafür, das der Kreisel sich in Bewegung setzen konnte.      Zwei die das besonders gut umsetzten waren Ernst Kuzorra und Fritz Szepan!

Als Schalke 1939 auf dem Weg zum fünften Titelgewinn ist, beschreibt die Fußball-Woche nach dem Halbfinal- Wiederholungsspiel gegen den Dresdner SC, wie man sich das Schalker Spiel vorzustellen hat. "Zuspiel und Zuspiel ist zweierlei und damit sind die Abstufungen von guten zu weniger guten bis zu ausgesprochen schlechten Abspiel noch nicht erschöpft. Schalke 04 ist groß im Fußball geworden durch die Sorgfalt, die es von jeher dem Weiterleiten des Balles an den Nebenmann zuwendete. Niemals ist bei Schalke gebufft, immer ist mit Verstand und offenem Auge gespielt worden." Bereits im Mai 1928 lobte die Wattenscheider Zeitung die Gastmannschaft nach dem Spiel bei Wattenscheid 09: "In der Präzision" des Zuspiels dominierten die Schalker. Die Schalker haben aus dem Zusammenspiel eine Kunst gemacht, eine Fertigkeit, die von Spielergeneration zu Generation übertragen wurde, in deren Geist schon der eigene Nachwuchs erzogen wird. Die meisten Gegner erliegen diesem auf die Dauer ermüdenden Präzisions-Zusammenspiel, diesem fortwährenden Ballgeschiebe, das keinen Stillstand kennt und dem wichtiger als der Raumgewinn das Freistehen des Mitspielers ist, das sein Ziel nicht direkt ansteuert, es auf vielverschlungenden Wegen gegen einen Schuß erschöpften Gegner dennoch in den meisten Fällen erreicht."

Ernst Kuzorra erklärte, wie es zu funktionieren hatte: "Wir haben immer gesagt, der Ball muß laufen. Unser Spiel lief hinterher fast maschinenmäßig- wie eine Uhr."

Eine Woche nach erwähntem Halbfinale gegen Dresden schlägt Schalke im ersten "großdeutschen Endspiel" Admira Wien mit 9:0! Es wird der höchste Sieg in der Geschichte deutscher Meisterschaftsendspiele bleiben und ist vielleicht der Höhepunkt der Schalker Mannschaft und ihres Kreiselspiels. "Der Ball muß laufen und der Mann ohne Ball darf nicht stillstehen. Das ist die Parole Schalkes, nach ihr handelt es seit 12 Jahren mit dem größten Erfolg", schreibt die Fußball-Woche und fasst in der Überschrift zusammen:" Schalke- die vollkommende Mannschaft!"

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