Legenden in Blau und Weiß

Über diesen Mann braucht man eigentlich nicht viel schreiben. Sein Name sagt ALLES!!!

Ernst Kuzorra

Schon als kleiner Junge pöhlt Ernst auf alles was nicht "Niet,-und Nagelfest" ist. Eine Woche nach seiner Konfirmation, besucht er ein B-Jugendspiel der Schalker gegen Erle 08. Erle ist Favorit und die Blauweißen sind nicht einmal vollzählig. "Nehmen Sie den Kleinen da, der kann was", rief ein Schulkamerad Kuzorras dem Jugendleiter zu. Ernst wurde als elfter Mann eingesetzt; schießt Schalke mit 4 Toren zum Sieg und wird dort gleich freudig aufgenommen.

Mit 17 Jahren kommt er in die erste Mannschaft und am 22.April 1923 bestreitet er sein erstes Spiel gegen die Sportfreunde 07 aus Essen, das mit 4:1 gewonnen wird. Die Epoche mit Kuzorra ist die erfolgreichste des Clubs. Von 1933 bis 1942 steht der Sturmführer neunmal im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft und gewinnt sechs Mal, ein Rekord, den erst Ende des Jahrhunderts Klaus Augenthaler ( sieben Mal Meister mit Bayern München ) überbieten wird. Kuzorra ist der erste Schalker in der deutschen Nationalmannschaft, sein Debüt macht er mit 22 Jahren am 20.November 1927 gegen Holland.

Lustig und mit einem trockenem Humor ausgestattet, machten Ihn zu einem liebenswerten Zeitgenossen. Auf einer Reise nach Schweden empfängt 1929 König Gustav Adolf die Mannschaft und erkundigt sich höflich, wo denn dieses berühmte Schalke liege. Der Kapitän antwortet knapp: "Anne Grenzstraße, Majestät!"

Doch noch berühmter wurde er mit folgenden Satz, ( den er auf die Frage nach der ersten Deutschen Meisterschaft 1934, als er mit einem Leistenbruch spielte und gleich nach Spielende ohnmächtig zusammenbrach,- doch vorher in der Schlußminute noch das entscheidene 2:1 geschossen hatte ) "Ich wusste nicht, wohin mit dem Ball, da hab´ich ihn einfach reingewichst!" 

An Neujahr 1990, einem wolkigen und kalten Tag, stirbt Ernst Kuzorra in Gelsenkirchen. Zu seiner Beerdigung auf dem Friedhof Rosenhügel schickt selbst Boxidol Max Schmeling, im selben Jahr geboren und ein großer Verehrer des Fußballers, einen Kranz, und der Ruhrbischof Franz Hengsbach würdigt Ernst Kuzorra als "bodenständig, ehrlich, knorrig, verlässlich und für viele junge Fußballespieler ein gutes Beispiel."

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Fritz Szepan

Am 2.September 1907 wird der Schwager von Ernst Kuzorra geboren und teilt mit seinen Freunden in Kindheitstagen die gleiche Leidenschaft:

"An meinem ersten Schultag sehe ich eine Blechdose auf einem Bürgersteig. Ein Schlag, ein Schuss, die Blechdose flog fort- und ich bekam sofort eine von meinem Vater in den Nacken." Da auch später die Eltern von Fritz nicht sonderlich begeister waren, das er Fußball spielte, mußte Präsident Fritz Unkel mehrfach vorstellig werden, um eine Spielerlaubnis für das Talent zu erwirken.

Unkels Einsatz hat sich gelohnt, denn in seinem ersten Einsatz der Jugendmannschaft schoß der kleine Szepan beide Tore zum 2:2 gegen den damals höher eingeschätzen Nachwuchs des VFB Gelsenkirchen. Mit 17 Jahren feiert er sein Debüt in der ersten Mannschaft. Als er anfangs als "lahme Krücke" verspottet wird, packte Ihn der Ehrgeiz und mit seiner Spielintelligenz, Übersicht und Technik, schaffte er den Sprung als 21-jähriger in die Deutsche Nationalmannschaft. In der nationalen Auswahl etabliert er sich in kürzester Zeit als Führungsspieler, sodaß Trainer Nerz und später sein Nachfolger Sepp Herberger Ihn für gut 5 Jahre zum Kapitän der DFB-Auswahl ernennen.

Zusammen mit seinem Schwager Ernst Kuzorra vollendeten Sie das Kurzpass-Spiel zum berühmt- berüchtigten Schalker Kreisel. Nach seiner aktiven Laufbahn, übernimmt er das Traineramt bei den Knappen und führte diesen Posten immerhin 5 Jahre aus. ( Länger hielt bisher nur Huub Stevens durch! )

Von 1964 bis 1967 übernimmt er als Integrationsfigur in der finanziell schwierigen Anfangsphase der Bundesliga das Amt des Vereinspräsidenten. Spieler, Trainer und Präsident- das hat noch kein Knappe vor ihm und nach ihm geschafft.

Am 17.Dezember 1974 ( drei Tage nach seinem Tod ) wird Fritz Szepan auf dem Friedhof Rosenhügel in Gelsenkirchen beerdigt. Über 1000 Menschen sind dabei, unter anderem viel Fußball-Prominenz, wie Weltmeister Fritz Walter, der sich seiner Tränen nicht schämte. Und Bundestrainer Sepp Herberger sagt an seinem Grab: "Du warst einer der Größten, Fritz!"

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Berni Klodt

Der wohl bescheidenste Schalker aller Zeiten, ist gleich auch der Kapitän der Meistermannschaft von 1958. Berni Klodt gehörte auch zu der Weltmeistermannschaft von 1954. Wenn man in den 50er Jahren einen "Fairness-Pokal" vergeben hätte, so hätte Berni nun ne volle Schrankvitrine! Zum Beispiel erzielte er mal ein Tor mit der Hand, das der Schiri anerkannt hatte; aber Berni ist zu ihm gegangen und hat gesagt: "Nimm´s zurück!" Oder nach dem Wunder von Bern; da sitzt die komplette Nationalmannschaft im Münchener Hofbräuhaus und will dem Berni das Bier trinken beibringen, aber die großen Maßkrüge hat er einfach nicht geschafft.

Im Oktober 54 macht ein "französischer Manager" Berni ein unglaubliches Angebot: 20 Millionen Francs Handgeld ( 130.000 Euro!!! ), dazu exorbitante Monatsgagen und hohe Prämien! Doch Klodt blockt ab: "Eine tolle Summe! Aber kein Grund, an meinen Fortgang von Schalke zu denken!"        50 Jahre später sagte seine Frau dazu:"Das Angebot gab´s wirklich, aber Berni wollte auf keinen Fall aus Gelsenkirchen weg. Wir hatten doch alle Freunde in Schalke, was sollten wir in Frankreich?" Berni blieb den Königsblauen treu, wie schon zwei Jahre zuvor, als die Italiener lockten.

Nüchtern betrachtet: Berni Klodt ist mit 330 Oberligaspielen, 24 Endrunden-Spiele um die Deutsche Meisterschaft, 8 Pokalspiele und 7 Europapokalspiele für Schalke hinter Fichtel (549), Nigbur (446) und Thon (384) auf Platz vier der (Nachkriegs-) Rangliste einer der Dauerbrenner am Schalker Markt gewesen! Seine 142 Pflichtspieltore sichern ihm (wahrscheinlich für alle Zeiten) nach Klaus Fischer (223) den zweiten Platz unter Schalkes Torschützen!

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Stan Libuda

"Keiner kommt an Gott vorbei- außer Stan Libuda!"

"Es gab zum Beispiel mal ein Heimspiel gegen Duisburg. Gegen die hatten wir immer Schwierigkeiten. So auch an diesem zweiten Spieltag der Saison 71/72. Und Stan hat uns ausgeschimpft: Was spielt Ihr denn für einen Mist zusammen? Dann habe ich einen Ball abgewehrt, auf Stan gespielt, der stürmt über den halben Platz, macht drei nass und haut das Ding in den Giebel. Aber er hat gar nicht gejubelt, sondern ist weiter schimpfend zurückgelaufen. Und ein paar Minuten vor Schluss hat er wieder so ein unglaubliches Solo drauf, umspielt am Ende auch noch den Torwart und wir gewinnen 2:0. Und da ist er dann direkt hinter dem Tor den Fans in die Arme gelaufen. So war der Stan!", erinnerte sich Rolf Rüssmann.

Die Boulevardpresse forcierte ihn zum Helden. Genauso schnell gaben Sie ihn zum Gespött frei. Und bei keinem anderen Fußballer seiner Zeit ist der Unterschied zwischen dem überirdischen Wesen auf dem Platz und dem Menschen außerhalb so eklatant, war die Fallhöhe so groß wie bei Stan Libuda.

Während der WM 1970 gegen Bulgarien, machte Stan eines seiner größten Spiele. 5:2 besiegt die Deutsche Nationalelf Bulgarien und Stan ist an 4 Toren beteiligt. Eines macht er selbst, einen Elfmeter holt er raus und die anderen beiden Tore legt er Gerd Müller auf. Ron Greenwood, Trainer von West Ham United sagte daraufhin: "Dieser Mensch hat die Deckung der Bulgaren demoliert.    Er ist ein Individualist, der den Mut hat, das scheinbar Unglaubliche und Unmögliche wahr zu machen. Ohne diese Figuren wie Libuda ist der moderne Fußball überhaupt nicht mehr entwicklungsfähig!"

Ein russischer Schiedsrichter schwärmte mal über Libuda:"Wenn ich einen großen Koffer hätte, würde ich den Mann mit zu uns nehmen."

Klaus Fichtel:"Wenn der Stan den richtigen Tag erwischte, war er von niemandem zu stoppen!"

Am 25.August 1996 verstarb Reinhard "Stan" Libuda an Herzversagen.

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Klaus "Tanne" Fichtel

Klaus Fichtel hat mit 552. Bundesligaeinsätzen ( 477 davon für Schalke ) eine sehr lange Fußballkarriere hingelegt, die wohl niemals Enden sollte. Selbst mit 43 Jahren schnürte er noch die Fußballschuhe um für Schalke als Libero den Laden "hinten dicht zu halten." Ein Spieler alles andere als eine Skandalnudel. Sportlich sowie Menschlich fair und besonnen. Zu den alten Kumpels pflegt er lange nach ihren gemeinsamen Erfolgen beste Kontakte. Der ewige Westfale wohnt unverändert 20 Autominuten von Schalke entfernt, von seinem Verein, der ihn nie mehr loslässt.

Der Wald stirbt - die Tanne steht!

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Klaus Fischer

27.September 1975 in Karlsruhe. Hannes Bongartz schlägt ein Eckball rein und Fischer täuscht zunächst einen Schritt nach vorne an und geht dann blitzschnell wieder zurück. So verschafft er sich den Platz für seinen Fallrückzieher, der dann unhaltbar im KSC-Tor einschlägt! Die Akrobatik-Nummer wird sofort und konkurrenzlos zum "Tor des Monats" gewählt. Aber es war nicht sein letzter Fallrückzieher, mit denen er Millionen von Fußballfans Freude bereitete.

Klaus Fischer; der beste Top-Stürmer den Schalke bis heute hatte. In 295 Bundesligaspielen für die Königsblauen, erzielte er 182 Tore. Ein Wert für die Ewigkeit!!! In der Rangliste der erfolgreichsten Torjäger der Bundesligageschichte nimmt er mit 268 Treffern Platz zwei hinter Gerd Müller (365) ein. Mit insgesamt 535 Bundesligaspielen ist Fischer fünfter in der von Frankfurts "Charly" Körbel (602) angeführten Rangliste der Dauerbrenner!

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Rüdiger "Abi" Abramczik

Abi der "Flankengott" wurde für Stan Libuda verpflichtet und seinerzeit der beste Rechtsaußen-Flügelstürmer den es in Deutschland gab. Sein Debüt gab er am 11.8.1973 in Stutgart,wo das Spiel 3:3 endete. Mit 17 Jahren war er damals der jüngste Bundesligaspieler aller Zeiten. Bis 1980 absolvierte Abramczik 202 Bundesligaspiele für Schalke und schoß dabei 44 Tore.

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Olaf Thon

 Der 2.5.1984 am späten Abend. Der FC Schalke 04 trägt das DFB-Pokalhalbfinale im Parkstadion gegen Bayern München aus. Das Spiel geht über 120 min. und endet 6:6!!! Es war ein richtiger Pokalthriller und die Hauptrolle spielt ein "kleiner" junger Mann, der ein paar Jahre zuvor noch beim STV Horst-Emscher spielte und in seiner Freizeit die Bollsplätze "unsicher" machte.            Seine drei Tore in diesem Spiel ( das letzte in der dritten Minute der Nachspielzeit! ), machten Ihn über Nacht in ganz Deutschland berühmt. Alle sprachen über dieses unvergessliche Fußballspiel und diesen kleinen Schalker, der den Tag seines Lebens erwischte. Sein Name: Olaf Thon!             Nach 40 Spielen in der Nationalelf und oft vom Verletzungspech verfolgt, kehrte Thon nach seinem Ausflug zum Starnberger See, 1994 nach Schalke zurück und war 1997 der Kapitän der Eurofighter-Mannschaft, die in Mailand den Uefa-Cup holte.

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Charly Neumann

Wenn es einen auf Schalke gab, der Unantasbar war und wenn von einem Vollblut Fan durch und durch die Rede ist; dann ist es das einzige Schalker Original das dieser Verein je hatte: Charly Neumann!!!

Als Mannschaftsbetreuer hat er in seinen Anfangsjahren Hotels gebucht, Reisen organisiert oder das Essen bestellt. Er besorgte den Spielern in Trainingslagern die Tageszeitung, half mit seiner Arbeitskolonne bei Renovierungsarbeiten und fehlte auf keinen Mannschaftsfoto. Und eines hat Charly NIE vergessen: Die Nähe zu UNS! Zu den Schalker Fans. Er weinte und tröstete uns bei Abstiegen, feierte mit uns große Erfolge, besorgte das Poster für die Mutti oder das Autogrammtrikot für den Opa, vermittelte und schlichtete, hatte immer ein offenes Ohr, war für jeden da. Nebenbei war Charly ein leidenschaftlicher Esser und Großgastronom. Seit 2003 ist er Mitglied des Ehrenpräsidiums und am 11.11.2008 ist Charly viel zu früh von uns gegangen. 

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Huub Stevens

Huub Stevens. Eine Trainerlegende! 5 Jahre und sieben Monate!!! Kein anderer schaffte es so lange bei den Knappen. Huub Stevens passte einfach zu Schalke. Vielleicht lag es auch an seiner Vergangenheit. In Sittard ( NL ) geboren, im limburgischen Kohlerevier mit vier Brüdern in einer Bergarbeiterfamilie aufgewachsen. Huub war ein Malocher, ein Arbeitstier. Der "Knurrer von Kerkrade", dem Verein den Huub Stevens trainierte, als Schalke diesen in der 1. Uefa- Pokalhauptrunde 1996/97 aus dem Wettbewerb warf und Rudi Assauer ihn direkt danach aus seinem Vertrag rauskaufte, vollbrachte anschließend das Wunder, das er mit den Königsblauen den Uefa-Pokal gewann! 2 DFB Pokalsiege und die Vizemeisterschaft 2001 kann Stevens noch für sich verbuchen. Berühmt wurde er auch mit seiner Defensivausrichtung und dem Satz: "Die Null muß stehen"!

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