Fritz Unkel

 

Der Anfang am Schalker Markt und der Übervater des Erfolges

 

Ein Jahr nachdem das aufstrebende, stark vom Bergbau (Zeche Consolidation) geprägte, Industriedorf Schalke in die Stadt Gelsenkirchen eingemeindet worden war, trafen sich einige 14- und 15-jährige Jungen, die einfach nur gemeinsam Fußball spielen wollten- der Legende nach in einem Hinterhof nahe der Gewerkenstraße am Schalker Markt. Dazu gründeten sie am 04.Mai 1904 einen losen Verein, dem sie den Namen "Westfalia Schalke" gaben. 1909 wurde mit der Eintragung ins Vereinsregister der Stadt Gelsenkirchen aus den Freizeitkickern offiziell ein Verein; Vorsitzender wurde- da Willy Gries, den die Kicker bis dahin als ihren Leiter betrachteten, noch nicht volljährig war- Heinrich Hilgert, der auf der Zeche als Wiegemeister arbeitete. Die Umgebung des Vereins und viele seiner Fußballer entstammten diesem Bergbaumilieu; dies brachte den Schalkern den Spitznamen "die Knappen" ein- ein Knappe ist ein Bergmann nach abgeschlossener Lehre.

In den damaligen Fußballverband, den Westdeutschen Spielverband, wurden die Schalker Kicker auch als Verein zunächst noch nicht aufgenommen. Daher fusionierten die "Westfalen" 1912 mit dem Schalker Turnverein1877 unter Präsident Fritz Unkel, der diesem Verband bereits angehörte. Die Fußballer blieben allerdings eine eigenständige Abteilung innerhalb des Vereins. Das aufeinandertreffen mit Fritz Unkel war historisch genauso wichtig für die Knappen wie der 25.Mai 1919; denn an diesem Tag machte ein B-Jugendlicher Spieler gegen Erle 08 sein erstes Spiel für Schalke. Sein Name; " Ernst Kuzorra "!!!

Der ehemalige Kohlenhändler Fritz Unkel, Sohn eines früheren Betriebsführers der Zeche Consolidation und später dort Marterialverwalter, bewies in der schwierigen Nachkriegszeit nicht nur Qualitäten, alle Widerstände auszugleichen und den Verein zusammenzuhalten, sondern er sorgte auch für die enge Bindung des Vereins zur Zeche Consol. Die Beziehungen der Schalker beschränken sich zunächst auf die unteren Ebenen der Zechenhierachie. Unkel ebnet dem Verein indes den Weg zur Zechenleitung und stößt damit das Tor zum sportlichen Erfolg weit auf. Denn die nun folgende Unterstützung hat spätestens ab den 1920er Jahren einen völlig anderen Charakter als die üblichen Hilfen, die auch andere Vereine von lokalen Firmen erhalten.

( Bild links, Zeche Consolidation um 1913 - rechts, Papa Fritz Unkel )

Der Doppelpass zwischen der Zeche und dem Verein funktioniert hervorragend. Sowohl Material als  auch Arbeitskraft werden zu günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt. 1924 steht Fritz Unkel vor einer schwierigen Entscheidung, denn die Deutsche Turnerschaft duldet keine Doppelmitgliedschaft mehr und die beiden Abteilungen müssen sich trennen. Mit Ihm als Vorsitzenden wurde dann am 4.Januar 1924 der FC Schalke 04. Sein Hauptanliegen ist es anfangs, dem Fußballclub professionelle Strukturen zu geben. Er installiert eine Finanzkomission mit Willi Nier als Obmann, veranlasst, das über der Vereinsgaststätte am Schalker Markt eine Geschäftsstelle eingerichtet wird und schiebt 1927 den Bau des neuen Stadions an. Aus tiefer Verbunden,- und Dankbarkeit gegenüber der Zeche Consol wird das neue Stadion nach dem traditionellen Gruß der Bergleute "Kampfbahn Glückauf" getauft.

Unter der Leitung von Fritz Unkel steigt der kleine Vorortverein zum Meister aller deutschen Fußballvereine auf.

Sein Motto: " Elf Freunde müßt ihr sein- wenn ihr Siege wollt erringen".

Und auf einer Generalversammlung schwor er die Knappenkicker ein: " Ihr gehört in den blau-weißen Dress auf den grünen Rasen der Kampfbahn Glückauf".

Neben Unkels Bescheidenheit ist es in erster Linie sein Gemeinschaftssinn, der ihn so wertvoll für den Verein werden lässt. Er versteht es, Streitigkeiten zu schlichten und marterielle sowie emotionale Probleme zu lösen. Wobei er gegenüber der Jugend nie als Unterdrücker auftritt. Im Gegenteil, trotz seiner Autorität vertrauen ihm die jungen Burschen. Er ist der Vater, der "Papa" Unkel. Sechs Meisterschaften und einen Pokalsieg darf er mit seinen Ziehsöhnen in kurzen Hosen feiern. Und noch einen historischen Grundstein hat er in seiner zwei Jahrzehnte langen Amtszeit gelegt; er nahm die Brüder Hans und Fred Ballmann in den Verein auf, die zwar in Lüdenscheid geboren aber in England groß geworden sind. Was sie von der Insel mitgebracht hatten, waren "Flachpass-Spiel.Dribbeln.Täuschen.Freilaufen".

Jahre später perfektionierten es Ernst Kuzorra und Fritz Szepan zum legendären Schalker Kreisel.

 

 

 

Papa Fritz Unkel inmitten seiner Schalker Vereinsfamilie nach der Deutschen Meisterschaft 1937.

1939 legt Fritz Unkel aus Altersgründen sein Amt nieder, bleibt aber Ehrenvorsitzender des Vereins. Später erkrankt der über 70-Jährige an Diabetes was dazu führt, das er sein Augenlicht verliert. Er kann die Spiele seiner Jungs nicht mehr verfolgen und ist auf die mündliche Schilderung der Ereignisse angewiesen. Während ein Teil der Mannschaft im "Kaisersaal" bei Mutter Thiemeyer speist und feiert, hocken Fritz Szepan und Ernst Kuzorra oft bei Papa Unkel im Gastzimmer und erzählen ihm von den Begegnungen. Im November 1944 hört er im Alter von 79 Jahren seinen Fußballern zum letzten Mal zu.

Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!